Inhaltliche Zusammenfassungen

Mit diesen  nachfolgenden inhaltlichen Ausführungen  einzelner Themen, aus bereits stattgefundenen Fachfortbildungen,  soll ein Einblick in die thematische Arbeitsweise innerhalb der  Fortbildungsseminare geschaffen werden. Verschiedene Teilnehmer aus den jeweiligen Seminaren haben diese Themen weiter ausgearbeitet. Die einzelnen Beiträge können eine wertvolle Anregung darstellen , die Themen eigenständig  weiter zu vertiefen. 


Inhaltliche Ausarbeitung einzelner Themen von der Yogafachfortbildung vom 27.02. 2020 - 01.03.2020

Welche Bedeutung hat dieser Yoga, diese Art des Übens für die Menschen?

 Die Frage wurde in der Fortbildung (27.2. - 1.3.20) gleich zu Beginn von Heinz Grill gestellt.

 

Dieser Yoga - er wurde von Heinz Grill für eine zeitgemäße Entwicklung des Menschen geschaffen - trägt die notwendige geistige Kraft in sich, die durch seine Person und in seinen Arbeiten zum Ausdruck kommt und die für eine Weiterentwicklung des Menschen notwendig ist.

 

Die Stärkung der Ich-Kraft:

Zu den Körperübungen wurden von Heinz Grill Inhalte gegeben, die er aus seiner geisteswissen-schaftlichen Forschungsarbeit zu den kosmischen Gesetzen herausgearbeitet hat.

Diese Inhalte werden Imaginationen genannt, da sie die Logik und die Gesetze der seelisch-geistigen Welten beschreiben. Die Imaginationen enthalten somit die Logik der Weltenschöpfung, die nach Platon die "Welt der Ideen" oder nach Rudolf Steiner die "Geistigen Welten" genannt werden. Damit sind diese Gedanken in allen Dimensionen unseres Seins integrierbar. Der Mensch kann sich mit diesen Gedanken in seinem ganzen Wesen weiterentwickeln.  
 

Für jede Weiterentwicklung braucht der Mensch einen Gedanken, den er studierend und vorstellend für sich zu einem Ideal erhebt. Die den Gedanken inneliegende geistige Substanz enthält die notwendigen spezifischen Lebenskräfte, die die Entwicklung des Menschen genau gemäß der universalen Logik weiterführen. Diese geistige Substanz stärkt vor allem die geistige Ebene des Menschen und damit die Ich-Kraft, die sich beim Übenden auch in einer zunehmenden Führungs- und Konzentrationskraft äußert. Die geistige Substanz, die den Imaginationen inne liegt, führt mit der Zeit der Auseinandersetzung zu einer moralischen Stärkung des Übenden. Die Unterscheidung zwischen "wahr" und "nicht wahr" stärkt sich über die geschulten und richtig eingestimmten Empfindungen.

 

Die Ausrichtung und Aktivierung des Bewusstseins zur Gestaltung des Körpers:

Die Vorgehensweise, das heißt die Bewegungsrichtung, wie der Übende sein Bewusstsein ausrichtet, unterscheidet sich gegenüber den traditionellen Yogawegen: Das Bewusstsein arbeitet von außen zum Körper und gestaltet den Körper. Der Übende richtet seine Wahrnehmungs- und Vorstellungstätigkeit zum Körper aus. Der Körper ist das Objekt, an dem das Bewusstsein arbeitet. Damit befreit sich das Bewusstsein von den Körperbindungen und ist, geöffnet nach außen, in einem freien, mit konkreten Gedanken erfüllten, kosmischen Raum. Der Übende versinkt nicht in seinen Gewohnheiten, in der genetischen Anlage oder in den determinierenden Ängsten. Mit dieser Übungsweise kann der Übende von Anfang an Abstand nehmen von seiner Genetik, seinen Gewohnheiten und seinen Ängsten.

 

Das Training der Bewusstseinskräfte:

Die Kräfte des Bewusstseins (Denken, Empfinden, Wollen) werden trainiert, indem der Interessierte die Imaginationen zu den Körperübungen wiederholt studiert, dann über die gelesenen Inhalte eine Vorstellung erbaut und diese in die Gestaltung der Körperübung hineinführt. Damit wird das Denken zu einem konkreten Gedanken ausgerichtet. Daraufhin entfalten sich Empfindungen, die neu und gemäß der Vorstellung real sind. Diese geben der Körperübung einen ästhetischen Ausdruck. Der Körper kann mit mehr Freiheit und Leichtigkeit in die Bewegung geführt werden.

 

Durch die Bewusstseinsarbeit entstehen neue Lebenskräfte, die auch Ätherkräfte genannt werden:

Die oben beschriebene Empfindungsentwicklung führt neue sogenannte Ätherkräfte (oder man kann auch sagen Lebenskräfte) heran, die den Körper freier und leichter in die vorgenommene Körperform führen. Es sind lebenserbauende Kräfte, die dem Grundgedanken inneliegen. Sie können in der Übung - wie von außen, vom Bewusstseinsraum kommend - erfahren werden.

 

Die Übungsform des Yoga als ein sozialer Prozess:

Indem die Übungsweise mit logischen und weisheitsvollen Inhalten bereichert ist, ist das Studieren und Üben nicht auf die Asanapraxis (Körperübungen) beschränkt. Die Erfahrungen und Lernschritte, die der Übende im Laufe der Zeit erfährt, sind bei fundiertem Verständnis auch auf das soziale Leben anwendbar und können das soziale Umfeld des Übenden neu beleben. Jede Begegnung kann mit den Imaginationen bereichert werden. Es entsteht mit dem Aufbau von logischen Themen ein freier, offener Begegnungsraum, der für alle Beteiligten aufbauend sein wird.

 

Die Stärkung der Urteilsfähigkeit durch das Training zu einer objektbezogenen Anschauung:

Zunehmend wird es für den Menschen notwendig, sich aus den Fängen der Manipulationen und Suggestionen zu befreien, die gezielt von religiösen Institutionen, der Politik, der Wirtschaft und den Medien ausgehen. Die Fähigkeit der Anschauungsbildung und freien Vorstellungskraft ist bei vielen Menschen inzwischen sehr geschwächt. Zu viele Einflüsse kommen tagtäglich auf den Einzelnen zu, ohne dass er sich jeder Information genau bewusst werden kann. Diese unendlichen Lügen schwächen den Menschen im Innersten seines Seins, sodass eine moralische Aufrichtung immer schwerer wird. Wie oben schon erwähnt, sind die Imaginationen durch ihre logische und weisheitsvolle innere Substanz Ich-stärkend für den Menschen und führen damit zu einer moralischen Erkraftung.

Aber auch das Training der Bewusstseinskräfte mit den Inhalten zu den Yogaübungen und insbesondere mit den Seelenübungen, die Heinz Grill ausgearbeitet hat, stärken die Ich-Kraft des Menschen. Sich mit einer konkreten Anschauungskraft und freien Vorstellungstätigkeit die Umstände der Zeit anzuschauen ist nicht automatisch möglich und muss gezielt gemacht werden, denn diese Bewusstseinsaktivität ist wie „sich gegen den Strom der Zeit auszurichten“. Diese Aktivität führt aber mit der Zeit zu einem moralischen Erkraften des Menschen und damit auch zu einer Erkraftung des Immunsystems, das mit der Fähigkeit, sich den anti-moralischen Kräften anschauend und erkennend gegenüberzustellen, gestärkt wird.

 

So komme ich zu dem Ergebnis, dass dieser Yoga und die Übungsweise des Yoga für die Weiterentwicklung des Menschen notwendig ist. Gerade die Herausforderungen, die aus dem Zeitgeschehen an den Menschen herantreten, brauchen zur Überwindung logische und weisheitsvolle Gedanken. Dieser Yogaweg ist so angelegt, dass er in alle Lebensbereiche integrierbar ist. Der Einzelne und damit auch die Gesellschaft könnte aus vielen Verwicklungen mit den anti-moralischen Kräften zu einem moralischen Aufstieg gelangen.

Die Bedeutung des Grenzüberschreiten 

Die Gesetzmäßigkeit der grenzüberschreitenden Aktivität kann im Ausdruck und Erleben der Kopf-Knie-Stellung (pascimottanasana) sehr gut ergründet werden. Sie wird daher im folgenden zunächst anhand der asana beschrieben und im nächsten Schritt auf das Leben übertragen. Es wird dabei deutlich werden, dass es sowohl eines Zieles, als auch eines objektiven, freieren Bewusstseins bedarf, um über die Grenze des Subjektiven hinaus zu kommen. Im Anschluss wird beschrieben, welche Wirkung diese Art der Aktivität auf den Stoffwechsel und das Regenerationsvermögen hat. Abschließend wird die Bedeutung auf das Gesamte und die damit zusammenhängenden Aspekte der  Verantwortung sowie der wachsenden Moralität erläutert.

Die Gesetzmäßigkeit in der Stellung der Kopf-Knie-Stellung (pascimottanasana)

In dieser Stellung drückt sich eine gezielt angesetzte, grenzüberschreitende und zugleich erbauende Aktivität aus.
Beim Praktizieren der Vorbeuge kommt der Übende schnell an den Punkt, an dem die Spannungen des Körpers einsetzen und eine Grenze der Beweglichkeit erreicht ist. Es lohnt sich diesen Moment genauer in die Betrachtung zu nehmen. Der Praktizierende kann dem Körper nun mit unterschiedlicher Haltung begegnen. Er kann sich an dieser Stelle mit dem Gedanken "bloß auf die Grenze des Körpers achten" zufrieden geben und die Formung beenden. Er kann es sich einigermaßen "bequem machen" und das Ende der Haltezeit herbeisehnen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Körper willentlich und mit Ehrgeiz weiter über die Grenze hinaus führen zu wollen. Hier entsteht schnell ein Zwang und körperlich eine Fixiertheit, die tendenziell als "Enge" empfunden wird.
Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass der Übende sich zunächst eine klare Vorstellung darüber bildet, wo im Körper die Aktivität in der Stellung günstigerweise angesetzt wird, welche Teile entspannt bleiben und welche eine stabile und ruhende Basis bilden. Damit kann er den Körper "gliedern" und auch in den spannungsreichen Phasen eine Übersicht und Gelöstheit bewahren.
Er kann an jedem zunächst erreichten Endpunkt in der Formung entscheiden, ob er mit der Ausformung bereits zufrieden ist, oder durch den gezielt angesetzten, aktiven Impuls einen weiteren Schritt in der Ausformung herbei leitet und die Grenze damit erweitert. Aus der freien Sicht auf den Körper, kann er dann entscheiden, wann er die Formungsphase beschließt und die Arme neben den Beinen am Boden ablegt. Auch in dieser Phase wird der Rücken nicht passiv, die "Schubkraft" aus dem aktiven Zentrum in der Mitte des Rückens bleibt bestehen und obwohl die Stellung nun relativ ruhig gehalten wird, kann dieser Impuls immer wieder erneuert werden. Vielleicht entscheidet der Übende nach einiger Zeit des Haltens sogar, die Arme nochmals zu heben und die Stellung - wie oben beschrieben - in eine erneute Erweiterung zu führen. Wenn dies gelingt wird er keinerlei Zwang, sondern aufgrund der eigenen dynamischen Willensformung, eine Freude erleben.

Der Übertrag auf das Leben

In fast jeder verrichteten Tätigkeit kommen wir an den Punkt, an dem wir entscheiden können, ob wir uns mit dem gegebenen zufrieden geben oder die Situation noch etwas weiter gestalten und formen. So kann ich beispielsweise in einer Gesprächssituation eher passiv bleiben und das, was der andere sagt, "über mich ergehen lassen" oder ich kann mich fragen, wie ich einen Beitrag leisten könnte, um die Situation zu bereichern oder anzuheben. In einigen Situationen bin ich sogar in der Verantwortung für einen von mir errungenen Wert einzutreten oder meine Fähigkeiten dem Gesamten zur Verfügung zu stellen. Wenn der Arzt in einem Flugzeug mitfliegt und ein Mitreisender erleidet einen Herzinfakt, wäre es der Situation nicht angemessen wenn er seine Qualifikation als Arzt leugnen würde.
Bestimmt kennt jeder diese Punkte und weiß wie groß die Versuchung ist, den Weg der Bequemlichkeit oder des vermeintlich geringsten Widerstandes zu wählen. Hinterher wird sich jedoch keine Zufriedenheit einstellen und das liegt nicht nur - wie man zunächst denken könnte - an unseren überhöhten Leistungsansprüchen. Es ist auf einen tieferliegenden Zusammenhang zurück zu führen. Es ist das Bedürfnis der Seele, das Leben zu veredeln und Bestehendes zu erweitern.
Wie in der Körperstellung unmittelbar erfahrbar ist, wirkt die Aktivität sogar erbauend und regenerativ, wenn sie mit eigener Bewusstheit und eigener Entscheidung gestaltet und geformt wird. Dies würde nicht gelingen, wenn wir nicht eine klare Vorstellung und ein klares Ziel hätten.

Die Notwendigkeit eines Zieles und die Bedeutung der "Veredelung" unserer Ziele

Wenn man genau betrachtet, wodurch das Grenzüberschreiten entsteht, wird man bemerken, dass ein "egoistisches" und an eigenen Bedürfnissen orientiertes Ziel nicht die gleiche erbauende Wirkung haben wird wie ein "ästhetisches", edleres Ziel, welches im Zusammenhang steht mit der Gesamtheit.
Im Beispiel einer zwischenmenschlichen Beziehung wäre ein Ziel, das aus einem eigennützigen Motiv erwächst, wenn der andere dafür "benutzt" wird, sich einen eigenen Vorteil (unter Umständen sogar im materiellen Sinne) zu verschaffen oder die eigenen Bedürfnisse (z.B. nach Anerkennung) möglichst gut zu befriedigen. Hieraus würde kein wirklicher Begegnungsraum entstehen. Ein weiterführendes Ziel hingegen wäre, sich damit zu beschäftigen, inwieweit der andere wirklich in seiner Entwicklung gefördert werden kann. Diese Art der Ziele muss zunächst geschaffen werden und eröffnen den Raum für eine weitere Erforschung. Man wird einige Zeit damit beschäftigt sein zu ergründen, was es wirklich heißt, "den anderen in seiner Entwicklung zu fördern". Was beinhaltet der Begriff "Entwicklung"? Kann ich überhaupt herausfinden, was der andere wirklich braucht? Welche Art von Menschenbild lege ich zugrunde? Es wird ein Interesse an immer weiteren Fragen entstehen und gerade in deren eigenständiger Erforschung wird der Mensch seine Grenze erweitern, im Innersten erkraften und eine wahre Freude erleben. Zudem wird sich auch der andere wirklich wahrgenommen fühlen und in dem geöffneten Raum seine Möglichkeiten ergreifen können. Gewissermaßen wird er dadurch ebenfalls über die Grenze seiner Subjektivität hinaus geführt.

Die Bedeutung eines objektiveren, freieren Bewusstseins und das rechte Opfer im Sinne eines Loslassens von subjektiven Vorstellungen, vorschnellen Gefühlen, Meinungen, Projektionen

Wie bereits deutlich geworden ist, werden die ästhetischen und edleren Ziele erst geschaffen und befinden sich damit zunächst außerhalb des bisherigen Erfahrungsschatzes des Menschen. Um sich den oben genannten Fragen anzunähern braucht es einen Blick nach außen und auch die Hinwendung zu Schriften, die eine erweiterte, geistige Sicht eröffnen. Erst wenn ich mich ausreichend lange mit den darin enthaltenen Gedanken befasst habe, werde ich eine Empfindung dazu erlangen und kann dann auch mein Handeln auf authentische Weise danach ausrichten. Es ist ein Opfer in dem Sinne erforderlich, dass alle subjektiven, "alten" Vorstellungen, vorschnelle Meinungen und Projektionen und auch sich einstellende Gefühle zurückgehalten und sogar losgelassen werden müssen.

Die Stoffwechselbelebung und das Einwirken neuer Kräfte aufgrund des objektiv einwirkenden Prozesses

Dem "Gemüt" wird die oben beschriebene grenzüberschreitende Aktivität unter Umständen als anstrengend erscheinen und es wird uns suggerieren wollen, "dass wir lieber unsere Grenzen beachten und unsere Kräfte schonen sollten". Bezieht man die Wirkung des Bewusstseins ausreichend mit ein, wird man zu einem anderen Ergebnis kommen. Durch den objektiv einwirkenden Prozess des freier gewordenen Bewusstseins können dem Menschen tatsächlich neue Kräfte zufließen wenn man auch die feineren Ebenen, insbesondere die Ebene der so genannten "Ätherkräfte" beachtet. Da der Körper zunächst mehr in Ruhe gelassen wird, können die regenerativen Kräfte besser einwirken. Darüber hinaus kommt es zu einer Stoffwechselbelebung, bei der auch Enzymprozesse angeregt werden. Auf - und Abbauprozesse können damit in einem richtigen Verhältnis stehen.

Der Aspekt der Verantwortung und Moralität; die Bedeutung für das Gesamte
 
Nun könnte man glauben, dass es Sache jedes einzelnen ist, wie er sein Leben führt und ob er die Möglichkeiten der Entwicklung und des Grenzüberschreitens nutzt oder nicht. Am Beispiel des Arztes wird deutlich, dass dies so nicht ist. Hat jemand Fähigkeiten erworben, steht er auch in einer Verantwortung, diese in das soziale Leben hinein zu führen. 
Wenn ein Mensch sich bereits auf intensive Weise mit moralischen Fragen auseinander gesetzt hat, kann er dieses Wissen nicht mehr leugnen. 
Wie bereits beschrieben, hat die Seele das Bedürfnis sich zu erweitern. Insbesondere wenn sie diese Möglichkeit bereits kennen gelernt hat, wird sie zwangsläufig auf irgendeine Art kompensieren müssen wenn sie diesem Bedürfnis durch "Unterlassungen" nicht mehr gerecht wird. Die eigene zutiefst empfundene Unzufriedenheit wird nicht ohne Wirkung auf andere bleiben. Man wird entweder indirekt eine "desillusionierende" Ausstrahlung auf andere haben oder aufgrund der sich einstellenden Unzufriedenheit Neid und Missgunst empfinden. Dies kann unter Umständen soweit gehen, dass der Mensch bewusst oder unbewusst andere an ihrer Entwicklung hindern möchte, weil er den Anblick des entwicklungsfreudigen Menschen auf dem Hintergrund der eigenen erlebten Unzulänglichkeit nicht mehr ertragen kann.
 
Es wird deutlich welch schöne und erbauende Möglichkeiten in der richtig verstandenen grenzüberschreitenden Aktivität liegen wenn sie vom Menschen selbstständig ergriffen wird. Gleichzeitig ist diese nicht ohne die Aspekte einer wachsenden Verantwortung und weit gefassten Moralität zu denken.

Zum Verständnis des Begriffes āsana von Pataňjali im rāja-yoga in Unterscheidung zum Neuen Yogawillen von Heinz Grill

In dem Seminar wurde die āsana als eine der acht Stufen des rāja-yoga

herausgegriffen, um das Verständnis näher zu bringen, wie Pataňjali die āsana verstanden hatte im Vergleich dazu, wie wir den Begriff āsana im Sinne des Neuen Yogawillen auffassen.

 

Ausdrücklich wurde auch darauf hingewiesen, dass man grundsätzlich immer vom Begriff selber ausgehen muss. Weiterhin braucht es mindestens einen Gedanken, oder im Hinblick auf den rāja-yoga eben ein Sūtra, um in einer Konzentrationsübung den Begriff, hier die āsana, zu erforschen.

 

1. Der Begriff āsana in der Zeit des rāja-yoga

Zum Hintergrund des Menschen: Zu der Zeit, als Pataňjali den rāja-yoga

formulierte (ca. 200 v.Chr.), war der Mensch mit dem Irdischen im Vergleich zu heute nicht so verbunden. Der Mensch stand dem irdischen Leben vergleichsweise mehr so gegenüber, dass er sich nicht derart mit dem irdischen Dasein identifizierte wie heute. So war das Unendliche, der Kosmos für ihn erstrebenswerter als das heute üblicherweise beim Menschen der Fall ist. 

 

Zu der Zeit wurde die āsana im Sinne des klassischen Yoga am Boden angenommen, in padmāsana, der Lotus-Sitzhaltung.

In seinem Sūtra sthira sukham āsanam beschreibt Pataňjali die wirklich

glückliche Sitzhaltung, oder Die Körperhaltung sollte stabil und angenehm sein.

Und im nächsten Sūtra setzt es sich fort, wie die Sitzhaltung sich klar und

bequem zum Unendlichen ausrichtet. Man sollte eine Sitzhaltung beziehen und sich klar zu einem großen Ganzen, Unendlichen in Beziehung wissen.

 

2. Der Begriff āsana im Neuen Yogawillen

Die āsana ist eine Form, die durch einen ganzheitlichen Gedanken eine

Empfindung erzeugen und transportieren will und sich somit mit dem Kosmos, mit dem Universalen und damit auch zu den Mitmenschen aktiv in Beziehung bringt.

(Gedanke aus der Seelendimension des Yoga von Heinz Grill: In der āsana wird eine Form aufgesucht, die eine neue oder andere Ordnung darstellt und sich somit auf konkrete und bewusste Weise mit einem Ganzen oder anders ausgedrückt mit einem kosmischen und universalen Licht in Beziehung bringt.)

 

3. Unterscheidung der āsana damals und im Neuen Yogawillen heute

Es wurde im Seminar herausgearbeitet, dass eine gegenläufige Bewegung im Verständnis des damaligen Begriffs āsana zur āsana im Neuen Yogawillen existiert.

Das Verständnis der āsana um die Zeit des rāja-yoga war von der Tendenz her mehr ein Rückzug von den Seinsbedingungen des weltlichen Lebens. Der Mensch fühlte sich im Irdischen – wie oben erwähnt - eher wie gefangen. Von daher fühlte er sich in der Lotus-Sitzhaltung wie in einem Einssein mit einer höheren Welt. Er lebte sich tendentiell mehr hinein in eine höhere Welt.

 

Im Neuen Yogawillen wird die āsana deutlich anders verstanden. Die einzelne āsana, die mit dem Körper eingenommene Form, stellt die geglückte Beziehungsaufnahme zu den seelischen und geistigen Seinsbedingungen dar, zu einer ihrer mannigfaltigen Ausdrucksweisen, um diese im irdischen Leben erfahrbar zu gestalten. Das Anliegen, die Situationen im irdischen Leben aus den Empfindungen der āsana heraus vergleichsweise wahrheitsvoller, lebensvoller, kommunikativer usw. zu gestalten ist zentral wichtig im Neuen Yogawillen und für unsere Zeit. Mit der āsana in diesem Verständnis geht zudem eine Differenzierung im Empfindungsleben einher.