Der Neue Yogawille, der Freie Atem und die Möglichkeiten zur Regeneration

 

 

von Stefan Jammer - Mai 2018

Heinz Grill - Begründer des 'Neuen Yogawillen', einer traditions-, stil- und personen-ungebundenen Form der Yogapraxis

 

 

Homepage von Heinz Grill:
https://heinz-grill.de/

 

 

Die folgenden, praktisch gehaltenen Ausführungen beschreiben Grundgedanken des Neuen Yogawillen und des Freien Atems. Um diese - sich an unserer Zeit und Kultur orientierende - Yoga-Praxis anschaulich zu machen, dienen u.a. die lebensnahen und zugleich fachlich fundierten Ausführungen von Heinz Grill sowie weiterer Referenten anlässlich eines Seminars vom 30.03. - 01.04.2018 am Lago di Tenno / Italien.

 

Das für die heutige Zeit so wichtige Thema "Die Bedeutung der 'Vorstellungsbildung' für die körperliche und psychische Gesundheit" erschloss sich im Laufe der Seminartage für die Teilnehmenden und - so hoffe ich - zu einem gewissen Grad ebenso für die interessierten LeserInnen dieses Textes.


Das Thema wird hochinteressant und bedeutend, wenn man sich überlegt, wie man sich den herausfordernden Lebens- und Arbeitsbedingungen der heutigen Zeit langfristig gegenüberstellt. Ist es langfristig eine befriedigende Lösung, sich bis zur nächsten Yogastunde, bis zum nächsten Urlaub oder dem nächsten Yoga-Retreat in den Alpen oder am Mittelmeer dynamisch oder ggf. mühsam durchzukämpfen ?  Oder ist es eine langfristige Lösung, sich so auf sich selbst zentrieren zu lernen oder sich so energetisch aufzuladen, dass man gewissermaßen wie abgeschirmt über den Dingen steht ?

 

Im täglichen Leben findet sich das Thema ganz praktisch:
In dem Moment, wo man sich von einer Sache, einer Situation oder einem Menschen ein möglichst objektives Bild machen möchte, braucht man konkrete Vorstellungen und Wahrnehmungen. In dem Moment wo man Lügen erkennen und entlarven möchte, braucht man ein differenziertes Bewusstsein. Für ein gutes Urteilsvermögen im Leben benötigt man - ganz allgemein gesprochen - ein klares Denken und Empfinden, welche im Ideal weder von eigenen Vorurteilen noch von äußeren Beeinflussungen und Manipulationen anderer getrübt sind. 

 

Für geschickte Lösungsansätze von gesundheitlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Themen in unserer Zeit, ist die Fähigkeit der Vorstellungsbildung essentiell, da sie zum Kern der Sache vorzudringen vermag. Steht ein Mensch gut in einer Sache drinnen, hat er eine Kompetenz und diese ist zugleich eine freilassende Basis für einen verbindenden Dialog. Der Yogaansatz von Heinz Grill gibt in dieser Hinsicht praktische und geistige Anregungen für den Menschen in der heutigen Kultur und Zeit.

 

Blick vom Seminarort auf den Lago di Tenno / I, oberhalb des nördlichen Gardasees gelegen.
Impression der heutigen Lebenswelt Was ist das Ziel ? / (c) fotolia

 

Wie stehen wohl obige Menschen mit sich selbst, untereinander und mit der Natur in Beziehung ?

 

Wo ist das Ziel ?

Was ist das Ziel ?

 

"Die Vorstellungsbildung ist wie ein spannkräftiger Bogen,

der das menschliche Wesen räumlich und schützend umkleidet."

Heinz Grill
       

 

Einleitung

 

Im Yoga wird man die Fähigkeit, ungetrübte Wahrnehmungen zu einer Sache oder einer Person aufbauen zu können, in der Lehre der Energie-Zentren entdecken, genauer gesagt in der Entwicklung des 5. Zentrums, des viśuddha-cakra. Im Neuen Yogawillen nimmt dieses Thema eine zentrale Rolle ein, da es den heutigen Menschen in den Anforderungen eines materiell geprägten Umfeldes, welches nach Erfolg und Leistung, eventuell auch Macht strebt, neue Möglichkeiten der körperlichen sowie der seelisch-geistigen Gesundheit ermöglicht. 

 

So ist das Hauptziel dieses Yogaansatzes, dass der Mensch sich als ein freies und selbstständig denkendes und schaffendes Individuum erleben lernt. Die Entwicklung eines differenzierten, möglichst vorurteilsfreien Denkens und Empfindens ist dabei ein wesentlicher Baustein auf dem Weg. Der Seminarverlauf zeigte darüber hinaus noch weitere Elemente dieser neuen Yogapraxis.

 

Es lassen sich in dieser Seminarzusammenfassung zum Verständnis des 'Neuen Yogawillen' vier Bereiche finden und unterscheiden. Diese sind ...

  • Das zugrundeliegende Menschenbild
  • Daraus abgeleitete, für unsere Zeit sinnvolle Ziele
  • Die daraus entwickelten methodischen Ideen und Übungen
  • Die daraus entstehenden gesundheitlichen Wirkungen
     

Da hinter einem solchen umfangreichen, ganzheitlichen Yoga-Ansatz - der sich zudem von traditionellen Yogaformen, z.B. dem eines T. Krishnamacharya, unterscheidet - die Person, die diese Ideen eigenständig erforscht, erfahren, entwickelt und praktisch erprobt hat, eine entscheidende Rolle einnimmt, ist am Ende dieser Seminarberichts  der Person von Heinz Grill - auch aus aktuellem Anlass - ein extra Kapitel gewidmet.

 

1. Teil - Ästhetische Asana-Praxis Menschenbild Entfaltung von Äther-/Prana-Kräften

2. Teil - Freie Atemschulung   Entwicklung von Chakren  Methodik und Lerninhalte

3. Teil - Wirkungen der Übungsweise Zur Person von Heinz Grill

 

Heinz Grill wählte den Namen Neuer Yogawille, um eine äußere und innere Unterscheidung zu frühen, traditionellen Yoga-Formen der alten indischen Kultur zu treffen. 


Eine kurze Beschreibung von ihm finden Sie auf seiner Webseite > Das Ziel des Yoga
 

 

 - 1. Teil -

 

Ästhetische, gelöste Asana-Praxis

 

Ein sogleich sichtbares Merkmal im Neuen Yogawillen ist die ästhetische Ausdrucksform der Yoga-Übungen. Der Körper wirkt in einer Asana frei im Ausdruck und zugleich in einer klaren Form und Position. Der Übende lernt, je nach spezifischer Asana, eine feine, geordnete Abstimmung von aktiven und entspannten, von zentrierten und gelösten Körperbereichen bildhaft-künstlerisch umzusetzen.

 

Bei der Asana 'Fisch', matsyāsana, siehe Foto, ist dies anschaulich zu sehen. Man mag sich fragen, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit der Körper diese harmonische Form, die weder zu fest noch zu locker erscheint, einnehmen kann ?

 

Der Weg dieser harmonischen Gestaltung einer Körperbewegung beginnt in der Vorstellung des Übenden. Sie beginnt in der Regel in einer ruhigen, geistigen Aktivität mit den Fragen: Welcher Ausdruck soll geschaffen werden ?  Welche Körperbereiche finden in eine aktive Dehnung, Wölbung oder Beugung, welche in eine gelöste Form ? 

 

Beim Fisch findet die Durchwölbung der oberen Brustwirbelsäule 'nach oben in den Raum' eine deutliche Betonung, der untere Rücken folgt dieser sensibel angesetzten Zugkraft des Brustkorbes und wird dabei sogar entlastet(!). Die Beine sind ruhig und ohne Spannung in einer geschlossenen Form. Der Kopf neigt sich entspannt zu Boden während das Bewusstsein wach bleibt. Es beobachtet die Spannungsverteilung und die Form des Körpers.

 

Grundstellung von matsyasana - Heinz Grill

 

Link zu weiteren Details und Variationen dieser Übung mit Klick aufs Foto

Andere Ausdrucksformen

 

Wenn das Kraft- oder Energiepotential des Körpers in den Vordergrund der Ausführung rücken, entstehen andere Ausdrucksformen einer Bewegung. Im zweiten Foto betont die Übende die körperliche Spannkraft ohne in eine differenzierte Spannungsverteilung des Körpers zu gehen. Das Bewusstsein, so lässt sich nach längerem Betrachten wahrnehmen, ist zentriert mit dem Körper verbunden. Das Bewusstsein, in die Tiefe der körperlichen Bedingungen zu führen, ist ein methodisches Element traditioneller Yoga-Übungsformen, wie z.B. von > T. Krishnamacharya.

 

In obiger Ausführung von Heinz Grill arbeitet das Bewusstsein hingegen mehr "am" Körper, mehr an der Peripherie, mehr an der Haut. Es formt den Körper differenziert aus und bleibt somit außerhalb der körperlichen Bedingungen. Es überschaut den Körper, die energetischen Ströme sowie die Gefühlsstimmungen und nimmt den Zustand eines ruhigen, man kann sagen, "formenden Zeugen" ein. Zugleich ist es frei und bleibt empfänglich fürs Umfeld. Diese mehr gestaltende Vorgehensweise entspricht der eines Künstlers, der sein Kunstwerk nach harmonischen Gesichtspunkten bildhaft ausformt, in diesem Fall ist das Kunstwerk der Körper.

 

Über harmonische Bilder, eine freie, ästhetische Bewegung zu formen, ist ein Grundgedanke der Praxis des Neuen Yogawillen.

 

Die Heilwirkungen dieser Vorgehensweise sind vielfältig. Eine wichtige Wirkung ist in Richtung der Stabilisierung des Nervensystems und damit der psychischen Verfassung zu sehen. Indem der Übende sich klar einer konkreten und beschreibbaren Form gegenüberstellt und sich mit ihr mental sowie körperlich auseinandersetzt, sich jedoch nicht in ihr versenkt, benutzt und aktiviert er sein Ich-Selbst (Sanskrit: ātman). Als Wirkung entsteht ein feines, jedoch nicht emotionales, in der Tiefe wahrnehmbares und stabilisierendes "Selbstgefühl".

 

Yoga-Asana: Fisch - (c) Victor Koldunov / fotolia

 

Wo beginnt "Bewegung" ? - Das Menschenbild

 

Diese ungewöhnliche Frage führt in eine wichtige Erkenntnis (Sanskrit: jñāna) für die Yogapraxis und sie führt gleichzeitig zu dem Menschenbild, das der Übungsweise des Neuen Yogawillen zugrunde liegt.

 

Aus einer naturwissenschaftlich orientierten Sichtweise heraus, ist es üblich zu sagen, dass Bewegung aus der Motorik des Körpers heraus entsteht. Elektrische Impulse aus dem Gehirn aktivieren über die motorischen Nerven die Muskeln und verursachen die Bewegung. Soweit in knappen Worten die naturwissenschaftliche Erklärung.

 

Heinz Grill regte an, zu fragen und zu beobachten, was eine Pflanze zum Wachsen bewegt. Es lässt sich mit ruhiger Anschauung der Phänomene vertiefend untersuchen, welche Rolle Wärme und Licht für das Wachstum, für die "Bewegung" der Pflanze bedeuten. Was geschieht, wenn diese kosmischen Naturkräfte reduziert sind ? ... und, wie ist es beim Menschen ?

Bei einer erweiterten Betrachtung der Bewegung, eine, die feinstoffliche Kräfte - sogenannte Äther-, prāṇa- oder vāyu-Kräfte - mit einbezieht, entsteht ein neues Bild. Heinz Grill führte im Seminar aus, dass wer sich im Schauen dieser verborgenen Zusammenhänge schult, entdecken wird, dass eine Bewegung nicht aus der Materie, dem Physischen oder dem Körper entspringt, sondern aus Bewegungen feinerer, ätherischer Kräfte. In letzter Konsequenz entstehe Bewegung sogar aus dem Geist. 

 

In der > Bhagavad Gita (IV, 35) heißt es ... yena bhūtāny aśeṣai drakṣyasy ātmany ...
Du wirst sehen, dass alle Kräfte aus dem Selbst kommen.
Übersetzung: H. Grill [1]

 

Dieser Übungsweise liegt ein in frühen indischen Schriften benanntes und durch geistiges Schauen erfahrbares, ganzheitliches Menschenbild zugrunde. Dieses erkennt das Ich-Selbst (ātman) als Ursprung allen Lebens und aller Materie. Es umfasst des weiteren eine individuelle Seele (jīva), die über ätherische Kräfte (prāṇamaya-kośa) einen Körper (aga/śarīra/kurukṣetra) im Physischen erschafft. Für Heinz Grill ist dies ebenso eine aus tiefer Erfahrung gewonnene Sichtweise. In sehr verwandter Form findet sie sich auch in der Anthroposophie Rudolf Steiners. In indischen Schriften äußert sich diese Anschauung u.a. in dem System der > kośa, der Lehre der fünf Energiehüllen, die das Ich-Selbst umhüllen.

 

Man mag jetzt vielleicht fragen, warum das Verständnis des Menschenbildes für die Yogapraxis überhaupt wichtig sei. Kommt es nicht primär auf die Praxis an ? 
Verbaut diese "Theorie" nicht sogar die gefühlte Erfahrungsebene der Praxis ? 

 

Davon abgesehen, dass das griechische Wort 'Theorie' mit 'beobachten, betrachten, schauen' übersetzt werden kann und die Silbe 'theo' = 'Gott' darin enthalten ist, kann in der Yogapraxis ein wahrnehmbarer Unterschied durchaus entdeckt werden. [2]  Die folgenden beiden Praxisbeispiele zeigen, dass Bewegungen sich deutlich anders gebärden, je nachdem, welche Vorstellung vom Ursprung der Bewegung beim Übenden vorherrschend ist, ... ob eine mehr physische oder eine mehr geistige ...

 

 

4-gliedriges Menschenbild
FOTO_LINK zu YouTube-Video mit M. Darby

Das Video des Ashtanga-Lehrers auf der linken Seite zeigt den Handstand über die geschmeidige, kraftvolle Koordination  zwischen Armen und tiefem Rumpf.

Das Video auf der rechten Seite zeigt Heinz Grill in der bewussten Anwendung von Äther- / Prana-Gesetzen, die den Körper im Hochgehen leicht aufrichten.

 

 

Es soll hier nicht von einer besseren oder schlechteren Ausführung gesprochen werden, beide sind auf ihre Art fein im Bewegungsspiel abgestimmt. Die Praxis links nimmt die Kraft primär aus dem Körper, bei der Ausführung rechts wird der Körper durch eine geistige Aktivität losgelassen. Neu geschaffene Ätherkräfte, richten den Körper fast schwerelos auf. 

FOTO_LINK zu YouTube-Video mit Heinz Grill

 

Der Lernschritt, den Körper in der Bewegung 'loslassen' zu lernen 

 

Im Neuen Yogawillen ist das Training, den Körper loslassen zu lernen, Prana-Kräfte damit fließen zu lassen sowie neue, bisher nicht angelegte Lebenskräfte entstehen zu lassen als grundsätzliche Idee vorhanden. Das gilt für die gesamte Asana-Praxis, für alle Übungen, nicht nur für den gezeigten Handstand.

 

"Der Äther [prāṇa vāyu] fließt am besten im menschlichen Leibe, wenn er in Ruhe gelassen werden kann. ...    Heinz Grill [1]

 

Was bedarf es, den Körper mit seinen Energien loszulassen und ihn in eine neue, ästhetische Leichtigkeit zu führen ?  Die lebendige Vorstellung des oben genannten Menschenbildes bildet den Schlüssel. Der Körper als äußerstes Wesensglied muss losgelassen, die willentlichen und emotionalen Fixierungen an den physischen Körper müssen zurückweichen, damit Äther-/Pranakräfte im freien Bewegungsspiel wirksam werden können. Für dieses Übungsziel werden im Neuen Yogawillen folgende Lern- und Übungsschritte durch wiederholte Praxis trainiert ...
 

Pflege der Grundidee: "Lebenskräfte bewegen den Körper" (nicht umgekehrt)​

Während der Übungspraxis sind es folgende methodische Schritte ...

  1. Gedankliche Vorstellung vom 'Bild' der gewählten Übung / Asana
  2. Konkret geführte Wahrnehmung des Körpers -> körpernahe Empfindung
    Der Bewegung geht eine gezielte Wahrnehmung mit den sensorischen Nerven voraus. Die Wahrnehmung geschieht während einer Beobachtungsphase (sākṣī).
  3. Die ätherische Bewegung bereitet sich vor, Lebensenergie sammelt sich
  4. Körperliche Ausführung - Die Ausgestaltung des 'Bildes' in eine ästhetische Form entsprechend der körperlichen Konstitution und Möglichkeiten

 

... Die gedankliche Konzentration ist eine intensive Disziplin, die die physische Materie und damit auch alles Kräftewirken, das an die Materie gebunden ist, in Ruhe lässt."  Heinz Grill [1]
 

Ausdruck einer Bewegung des Äthers, wie sie im Handstand erlebt werden kann. Im Moment des Loslassens formiert sich eine neue, sogar erweiterte Bewegung der Kraft. Es ist keine lineare Fortsetzung !

(Nachzeichnung der Tafelskizze)

Die Bedeutung der sensorischen Nerven für die Bewegung

 

Im normalen, physischen Bewegungsverständnis steht die Motorik im Vordergrund, d.h., dass bestimmte Gehirnareale im Zusammenspiel mit motorischen Nerven und Muskeln eine Bewegung vollziehen. [3]  Dass eine körperliche Bewegung sich aus einer inneren Bewegung der Lebenskräfte heraus entwickelt sowie mit ihnen bewusst gestaltet werden kann, ist aufgrund der materiellen Kulturprägung unserer Zeit bisher wenig bekannt.

 

Unsere mehr materielle Lebensweise zeigt sich außerdem in Fragestellungen wie z.B. "Was bringt mir diese Übung, was bringt sie für eine Energie ?"  Mit dieser Frage wird der äußere Nutzen betont, ein möglicher innerer Lernschritt bleibt so noch aus. Neue Entwicklungsschritte aus dem eigenen Seelenvermögen können im Konsumgedanken nicht substanziell entstehen. Um mit den Begriffen von Erich Fromm zu sprechen, ist der Mensch im Konsum im 'Haben', bei einem Entwicklungsschritt im 'Sein' gegündet.

 

Im Neuen Yogawillen geht es in erster Linie um die Entwicklungsfrage,
nicht um eine energetische oder materielle Frage nach dem Nutzen.

 

Für das Finden und Verstehen der verborgenen Naturgesetzmäßigkeiten der Bewegung und ihr Erleben - was hier als ein Entwicklungsschritt verstanden wird - sind die sensorischen Nerven des Nervensystems von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglichen den Menschen erweiternde Wahrnehmungs- und Lernschritte.

 

Für das Ziel einer leichten, von freien Ätherkräften geführten Bewegung, braucht es praktisch und methodisch den intensiveren Zugang zu der sensorischen Seite des Nervensystems. Diese soll angeregt und gefördert werden ... aber wie geht das ?

 

Der Zugang zur sensiblen Seite geschieht beim Neuen Yogawillen nicht durch das klassische "Hineinspüren" in den Körper. Die Kraft, den Körper mit seiner Vitalität in Ruhe zu lassen, um aufmerksamer für feinere Prozesse zu werden, geschieht stattdessen mit Hilfe eines Gedankens, mit einem ruhig, klar und konzentriert gehaltenem 'Bild' zu einer Übung oder Asana.

 

In einer Halte- und Beobachtungssphase kann der Körper mit seinen aufsteigenden Energien am besten zurückweichen, so dass über eine gedankliche Vorstellung neue, objektivere Empfindungen sowie ein neuer 'Raum' für feinere Äther-/Pranakräfte entstehen können.

 

An den beiden folgenden Beipielen der Dreiecks-Übung kann deutlich werden, wie durch die Sprache, z.B. durch die Anleitung einer Übung, die sensorische Seite des Nervensystems  - und in Folge die motorische - praktisch und ohne esoterische Formulierungen angesprochen werden kann. [Beispiele vom Autor]

 

 

FOTO_LINK zum vertiefenden Artikel von Heinz Grill: "Die Bewegung aus dem Ätherischen"

Beispiel einer Anleitung, die sich auf die motorische Seite der Übung ausrichtet:

 

"Spreize die Beine ungefähr einen Meter auseinander, die Füße stehen parallel, die Knie sind durchgedrückt. Hebe beide Arme seitwärts in eine Horizontale, dabei zeigen die Handflächen nach unten. Atme aus und neige den Rumpf nach rechts, bring' die rechte Hand zum rechten Bein, strecke den linken Arm gerade am Ohr entlang. Atme ein und strecke den Rumpf seitlich stärker aus. Die Beine, das Becken, der Rücken und der Kopf sollten in einer Flucht stehen. Atme in der Stellung möglichst tief und regelmäßig."

 

 

 

Dreieck, praktiziert mit der Idee der 3-Gliederung und dem Bild der weiten Bewegung (siehe Text rechts)

Beispiel einer Anleitung, die die sensorische Seite der Übung betont: 

 

"Stehe im festen Stand mit parallelen Füßen, ca. einen Meter breit. Hebe den rechten Arm in die horizontale Linie, den linken Arm am Ohr entlang ins Lot nach oben. Beide Arme bilden einen rechten Winkel. Die Schultern sind locker. Hebe deinen Brustkorb leicht an und lass' den Atem frei fließen .. Strecke aus der Region der unteren Rippenbögen (Solar Plexus) den Oberkörper exakt seitlich aktiv in den Raum. Achte auf den festen Stand, die leichten, ausschwingenden Arme und die zentrierte Dynamik aus der Rumpfmitte. Der Atem passt sich im Rhythmus dem Kraftansatz an. Er soll möglichst frei bleiben, so leicht wie die umgebene Luft."

 

 

Mit einer Sprache, die bildhafte Gedanken aufbaut und Wahrnehmungen anspricht, die den freien Fluss von Lebenskräften begünstigt, formt sich die Bewegung des Körpers mit einer neuen Leichtigkeit und Harmonie. Dies wirkt sich entlastend und gleichzeitig aufbauend sowohl auf verspannte als auch auf geschwächte Bereiche des Bewegungsapparates aus.


Beim obigen Dreieck (trikonāsana) bewirkt die bildhafte Vorstellung und Umsetzung von der 3-Gliederung am Körper eine Entlastung der Bandscheiben und Stärkung der aktiven Stoffwechselfunktionen entlang der Wirbelsäule. Das Bewusstsein wird angeregt, sich mehr beobachtend und am Körper gestaltend auszurichten. Der Mensch mit seinem Ich-Selbst bleibt dadurch von angelegten Körper- und Gefühlsbedingungen freier und erlebt sich gelöster sowie stärker in seinem persönlichen Selbstgefühl gegründet.

 

 

Inspirative Bilder und Anleitungen für die Übungspraxis im Sinne des Neuen Yogawillen

 

Inspirative Bilder und Anleitungen zu der Asana-Praxis, die das Ich-Selbst, das bildhaft-seelische Empfindungsvermögen sowie den Aufbau der Ätherkräfte fördern, sind in dem neu aufgelegten und sehr empfehlenswerten Übungsbuch "Die Seelendimension des Yoga" von Heinz Grill zu finden.

 

Es beinhaltet authentische, grundlegende und einführende Kapitel zum Yogaweg und zeigt mit Hilfe von vielen Fotos auf, wie die ästhetische, körpergelöste Übungspraxis erlernt werden kann. Im Aufmerksamwerden auf jene Zusammenhänge, die das oben skizzierte Menschenbild betreffen, kann sich der Übende mit objektiven Inhalten auseinandersetzen. Er kann sie empfinden und mit der konkreten Körperübungspraxis erforschen lernen.

 

Das Buch kann für alle Yoga-Stil-Formen eine Anregung oder Erweiterung sein.


Diese suchende und forschende Vorgehensweise, die dem Neuen Yogawillen als methodische Idee zu Grunde liegt, stärkt den Übenden nachhaltig in seiner individuellen Selbst-Kraft. Im Sinne der yogischen Chakra-Lehre fördert diese Vorgehensweise insbesondere die Entwicklung des Herz-Zentrums (anāhata-cakra). Sie fördert jenen eigenen, unabhängigen Standpunkt im Leben, der für ein gesundes Im-Leben-Stehen und ein kreatives Gestalten des eigenen Lebensumfeldes einen Halt und eine Perspektive gibt. Vielfältige positive gesundheitliche Wirkungen sind damit verbunden, insbesondere ist die Ordnung und Ruhe im Nervensystem zu nennen.

 

P.S. ... Auch andere Autoren, die das Menschenbild mit einem freien Ich-Selbst authentisch beschreiben, können sinnvolle Inhalte für die Yoga-Praxis im Sinne des neuen Yogawillen geben (z.B. Sri Aurobindo und Rudolf Steiner).

 

FOTO_LINK zum Lammers-Koll Verlag und zur Buchbeschreibung

 

Fußnoten

 

[1] Heinz Grill, Das Wesensgeheimnis der Seele, 2014 - 2. Auflage, S. 117

[2] siehe > Wikipedia

[3] siehe > www.dasgehirn.info 

 

 

> zum Anfang
> zum 2. Teil
> zum 3. Teil

 

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